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  Alternsgerechte Arbeitsgestaltung im Handwerk

 

Um was geht es?

Der gezielte Abbau alterskritischer Belastungen im Handwerksbetrieb erfolgt über Veränderungen von Arbeitsplatz und -mittel, von Arbeitsorganisation und -ablauf, von Führung und Qualifikation.

Als „alterskritisch“ gelten hier Arbeitsanforderungen wie z. B. Heben und Tragen schwerer Lasten, bestimmte Zwangshaltungen, Arbeiten unter Zeitdruck, die erfahrungsgemäß nicht über einen langen Zeitraum ausgeübt werden können, ohne dass gesundheitliche Risiken oder chronische Leiden auftreten. Häufig ist nicht die einzelne Belastung allein ausschlaggebend, sondern die Kombination mit anderen Belastungen.

Die korrekte Ausführung beruflicher Tätigkeiten wird beeinträchtigt. Ein Älter-Werden-Können im Handwerksbetrieb wird erschwert.

 

Welchen Nutzen hat der Betrieb?

Angesichts des Fachkräftemangels und der unausweichlichen Alterung der Belegschaften durch den demografischen Wandel geht es für die Handwerksbetriebe zunehmend um die Erhaltung der physischen und psychischen Leistungsfähigkeit ihrer Beschäftigten. Beispielsweise war es bisher im Baubereich aufgrund spezieller körperlicher Belastungen schwierig, bis zur Rente im Betrieb zu verbleiben.

Maßnahmen zur Stress- und Belastungsreduktion tragen über die Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Beschäftigten zu einer Verringerung des Krankenstandes, zum Wegfall krankheitsbedingter Kündigungen bzw. Neueinstellungen, zur Optimierung der Arbeits- und Betriebsorganisation, zu mehr Auftragssicherheit - also zu einer Steigerung der Produktivität insgesamt - bei.

Ein weiterer Vorteil ist der Erhalt des Erfahrungswissens älterer Beschäftigter, wie z. B. Kenntnisse über alte Heizungsanlagen. Beim frühzeitigen Ausscheiden aus dem Betrieb ging dieses Erfahrungswissen häufig verloren.

 

Wie wird vorgegangen?

Die Vorgehensweise besteht aus vier Schritten:

  • Analyse der Tätigkeit, der Zusammenarbeit und der Arbeitsplatzbedingungen einschließlich einer Befragung der Beschäftigten,

  • Rückmeldung der Ergebnisse in einem Workshop zum Abbau von Belastungen und Stress, an dem alle Beschäftigten teilnehmen. Neben den positiven Bedingungen (Aufgabenvielfalt, Entscheidungsmöglichkeiten u. a.) werden die belastenden Arbeitstätigkeiten dargestellt und mit allen Beteiligten diskutiert. Die Belastungen können ihren Ausgangspunkt im technischen Bereich (z. B. zugiger Arbeitsplatz), in der betrieblichen Organisation (z. B. mangelnde Planung) und in den persönlichen Handlungsvoraussetzungen (z. B. keine persönlichen Spielräume zur Stressbewältigung) haben. Es gibt daher immer verschiedene Lösungsmöglichkeiten.

  • Erarbeitung gemeinsamer Verbesserungsvorschläge zu Arbeitserleichterungen mit Bewertung (nach Wichtigkeit, Kosten, Aufwand) als Basis für die Entscheidungsfindung. Es wird ein Arbeitsplan festgelegt, terminiert und mit den für die Umsetzung zuständigen Personen ergänzt.

  • Durchführung eines Rückmeldeworkshops nach ca. sechs bis acht Wochen mit allen Beteiligten zur Überprüfung der Umsetzung, zum Erfahrungsaustausch und gegebenenfalls zur Einleitung weiterer Schritte.

In der folgenden Abbildung wird am Beispiel ´Kundendienst eines SHK-Betriebes´ eine alternsgerechte Arbeitsgestaltung dargestellt, die eine Reduktion von körperlichen und psychischen Belastungen sowie eine Anreicherung durch Bürotätigkeiten vorsieht. 

Arbeitsgestaltung in einem Handwerksbetrieb mit 21 Beschäftigten - Auszug

Außendienst

Belastungen

Maßnahmen

Technik

Belastung von Rücken und Gelenken beim Tragen schwerer Teile

Treppensteigegerät

Organisation

Stress bei zeitgerechter Auftragsbearbeitung, da Auftrag unklar und wichtige Angaben fehlen – nächster Kunde wartet

Erstellung eines Auftragszettels, der notwendige Informationen bei der telefonischen Auftragsannahme systematisch erfasst

Person

Monteur kann Bearbeitung des Auftrags nicht mit Kunden besprechen, da er keine Preise kalkulieren kann – Auseinandersetzung mit unzufriedenem Kunden

Innerbetriebliche Qualifizierung zur Preisgestaltung

Innendienst

Belastungen

Maßnahmen

Technik

Arbeitsplatz schlecht beleuchtet, zugig und laut

Verlegung des Arbeitsplatzes

Organisation

Probleme der MitarbeiterInnen untereinander, da Zuständigkeiten für Kunden nicht eindeutig geklärt

Festlegung fester Innendiensttage und Kundenzuordnungen

Person

Fehlende Ansprechzeiten der Geschäftsführung für Rückfragen von MitarbeiterInnen – Stress durch mangelnde Absprachemöglichkeiten

Interne Schulung der MitarbeiterInnen zur Rechnungsvorbereitung, um Geschäftsführung zu entlasten

Quelle: © Weber 2003 – BMBF-Vorhaben Demografie-Initiative II.

Weitere Gestaltungsbeispiele zur Belastungs- und Stressreduktion, auch aus anderen Gewerken, können als Download abgerufen werden.   
 
Download Gestaltungsbeispiele Handwerk PDF datei

 

Welcher Aufwand ist erforderlich?

Der Aufwand hängt von den betrieblichen Ausgangsbedingungen ab. Einen ersten Hinweis auf branchenspezifische Belastungen können eventuell Krankenkassen oder externe sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Dienste geben. Eine Beratung durch Externe empfiehlt sich, wenn eine zuverlässige betriebsbezogene Erfassung und umfangreiche Veränderung des Arbeitssystems gewünscht ist.

 

Was ist besonders zu beachten?

In kleinen Handwerksbetrieben gibt es häufig nicht die Möglichkeit, Beschäftigte beim Auftreten von Gesundheitsproblemen an Arbeitsplätze zu versetzen, die weniger belastend sind. Gerade hier ist die frühzeitige Reduzierung von Belastungen bzw. alterskritischen Belastungen sowie die Ergänzung von Aufgabengebieten um weniger belastende Tätigkeiten notwendig.

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Transferhinweise:
Erfahrungen liegen insbesondere aus SHK-Handwerksbetrieben aller Größenklassen vor - geeignet auch für andere Handwerksgewerke sowie Kleinbetriebe bis zu 50 Beschäftigten

Referenzbetriebe:
Gutkowski & Schmitz Haustechnik GmbH; Wilhelm Gobbers GmbH; Armin Meuser GmbH & Co KG

Bezugsquellen:
Weber, B.; Packebusch, L.: Betriebliche Strategien einer alternsgerechten Arbeits- und Personalpolitik. Schwerpunkte, Lösungsansätze, Ergebnisse. In: Zentralverband Sanitär Heizung Klima (Hrsg.): Demographie-Initiative - Betriebliche Strategien einer alternsgerechten Arbeits- und Personalpolitik, Broschüren-Reihe: Demographie und Erwerbsarbeit. Stuttgart 2003, S. 12 ff - Download über www.demotrans.de

Schlagwörter:
Arbeitsfähigkeit, Arbeitsbedingungen, Gesundheit

AutorInnen:
Birgit Weber - birgit.weber@iap-institut.de ; Prof. Dr. Lutz Packebusch - lutz.packebusch@iap-institut.de   

 
 
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letzte Aktualisierung: 24.01.2013 |
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