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 Auszubildende als Gesundheitsmultiplikatoren

 
Um was geht es?

Gesundheit ist kein selbstverständliches Thema im Unternehmen. Im Betriebsalltag droht es unterzugehen, wenn keine Personen da sind, die es sich zueigen machen und die Bedeutung der Gesundheit für den Erhalt der Arbeitsfähigkeit in Erinnerung rufen. Die Sicherheitsfachkräfte/-beauftragten und der meist überbetriebliche werksärztliche Dienst sind zu spezialisiert und zu weit weg vom realen betrieblichen Geschehen, um diese Aufgabe wahrnehmen zu können. Es müssen Leute aus der Mitte der Belegschaft sein, die als ‚Gesundheitsgewissen’ des Betriebes fungieren. Infrage kommen dabei am ehesten diejenigen, die noch nicht ‚abgestumpft’ sind, sondern erst für die Arbeit im Betrieb ‚geformt’ werden: die Auszubildenden und diejenigen, die ein duales Studium absolvieren. Legt man in ihrer Qualifizierung bereits das Interesse für betriebliche Gesundheitsfragen Grund, so bestehen gute Chancen, dass sie auch später als Multiplikatoren das Gesundheitsthema immer wieder ins Spiel bringen.



Welchen Nutzen hat der Betrieb?

Junge Mitarbeiter, die sich neben der Bewältigung der Arbeitsanforderungen noch eines Themas wie betriebliche Gesundheitspolitik annehmen, sind ein Gewinn für ein Unternehmen. Sie denken über ihren Arbeitsplatz hinaus und sind Träger von Verbesserungsideen und Verbesserungswillen. Überdies werden sie selber stärker auf gesundheitsschonende Arbeitsweisen achten und sich mehr um sich sorgen. Sie handeln damit selbstverantwortlich, was sich ein modernes Unternehmen nur wünschen kann. Nicht zuletzt finden zukünftige Führungskräfte, die vor allem unter den Studenten zu finden sind, einen frühen Einstieg in Fragen der Über- und Unterforderung von Mitarbeitern, der Personalentwicklung, des konstruktiven Umgangs mit Belastungen sowie allgemein des Belastungsdiskurses.

Direkte Wirkung Indirekte Wirkung
  • Sensibilisierung der Teilnehmer für das Thema Gesundheit
  • Salutogenetische Betrachtungsweise
  • Stärkung der Eigenverantwortung
  • Bedeutung „guter Führung“ bzw. „gesunder Führung“ (kein Druck- sondern Zugwirkung – es wird aktiv eingefordert)
  • ROI von Gesundheitsthemen im Unternehmen

 

 



 

 

  • Sensibilisierung der Mitarbeiter über die  Multiplikatoren für das Thema Gesundheit
  • Werdende Führungskräfte haben frühen Einstieg in die Themen
    • Bedeutung der Über- und Unterforderung
    • Bedeutung der Personalentwicklung
    • Professionelle Feedbackkultur
    • Konstruktiver Umgang mit Belastungen
    • Handlungsmuster situationsadäquat anwenden
    • Vermittlung von Grundmustern aktuell diskutierter Themen
  • Stärkung der Eigenverantwortung wird weitergegeben und diskutiert
  • Bedeutung „guter Führung“ bzw. „gesunder Führung“ (Wissen)


Wie wird vorgegangen?

Die Auszubildenden für die Gesundheitsfrage zu sensibilisieren, kann man nicht der Berufsschule überlassen. Dieses Thema ist viel besser in der betrieblichen Ausbildung zu platzieren und zwar an der Stelle, wo es um die Vermittlung von Zusatzqualifikationen geht. Viele Betriebe haben eigene Ausbildungstage oder erlebnispädagogische Zeiteinheiten in ihrem Ausbildungscurriculum. Bislang werden dort Fähigkeiten wie Präsentieren, Rhetorik, Kommunikation, Projektarbeit, Teamgeist, Interkulturalität etc. vermittelt. Die Ergänzung dieses Themenkranzes um Gesundheitskompetenz ist angesichts des demographischen Wandels und angesichts eines neuen Belastungspanoramas (psychische Belastungen) nahe liegend. Eine Form der Befassung damit, die sich jetzt schon in drei Unternehmen bewährt hat, ist die Einübung in Projektarbeit anhand eines Gesundheitsthemas. Das Verfahren dabei ist folgendes:

  • In einem ersten Schritt stellen die mit der Ausbildung befassten Personen eine Liste mit betriebsrelevanten, aber auch allgemeinen Themen, die junge Menschen interessieren, zusammen. Ein Muster liegt als Download bei.

  • Dann werden die Themen an die Auszubildenden vergeben bzw. die Auszubildenden wählen sich ihre Themen. Es empfiehlt sich, kleine Gruppen zu bilden, die gemeinsam ein Thema bearbeiten.

  • Die Auszubildenden haben einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung, um ihr Projekt abzuschließen. Sie organisieren sich selber, aber sie können Hilfe bei den Verantwortlichen holen, die während der ‚Projektlaufzeit’ beratend zur Verfügung stehen.

  • Das Projekt endet mit einer Präsentation der Projektergebnisse in einem offiziellen Rahmen. Bei diesem Anlass sollte die Geschäftsführung sowie andere wichtige Repräsentanten des Betriebs (Betriebsrat, Personalchef, Vorstände) zugegen sein.

  • Im Anschluss werden mit den einzelnen Auszubildenden Gespräche geführt, um in Erfahrung zu bringen, wie es Ihnen mit dieser Projektarbeit ergangen ist und um sie für die Multiplikatorenrolle zu gewinnen.

  • Schlussendlich gilt es, Multiplikatorenrollen zu definieren. Es kann eine Hospitation im Gesundheits-Arbeitskreis der Firma und im Sicherheitsausschuss sein, es kann aber auch eine Angliederung an die Jugendvertretung sein, um das Thema Gesundheit institutionell auch dort zu verankern.


Welcher Aufwand ist erforderlich? 

Der Aufwand hält sich für die Unternehmen, die ohnehin Zusatzqualifikationen an ihre Auszubildenden vermitteln, in Grenzen. Es geht um eine sinnvolle Ergänzung des Curriculums um die Gesundheitsfrage.



Was ist besonders zu beachten?

In den Firmen, die das Gesundheitsthema in ihrer Ausbildung aufgeworfen haben, hat sich gezeigt, dass die Auszubildenden damit etwas anfangen konnten und sehr motiviert an ihren Gesundheitsprojekten gearbeitet haben. Es gibt offensichtlich eine gewisse Nähe der jungen Generation zum Gesundheitsthema und eine positive ‚Vorprägung’. Empfehlenswert ist es, die Projektarbeit in Gruppen machen zu lassen; denn in der Interaktion mit anderen entsteht eine größere Dynamik und die Auszubildenden werden mit dem gemeinsamen Reden über Gesundheit und Gesundheitsrisiken in der Arbeitswelt vertraut. Um das in der Projektarbeit aufscheinende Interesse wach zu halten und weiter zu fördern, sollte der Betrieb Angebote zur Mitarbeit bei der betrieblichen Gesundheitsförderung unterbreiten.

In einer abgespeckten Version werden Azubis und Studenten der Berufsakademie für Gesundheitsfragen - Gesundheit im eigenen Betrieb, am eigenen Arbeitsplatz - sensibilisiert. Dann werden mögliche Fragestellungen mehrere Monate vor den Azubi-Tagen an Vierer-Teams verteilt. Die Vierer-Teams setzen sich aus Azubis unterschiedlicher Lehrjahre zusammen. Die Studenten der Berufsakademie bilden ein eigenes Team. Die Ergebnisse werden an einem Azubi-Tag vor Firmenöffentlichkeit und Familienangehörigen vorgestellt, und zwar als Poster oder als Foliensatz.

Es zeigt sich dann dreierlei:

  • Es wurde fleißig im Internet und in der Fachliteratur zum Arbeitsschutz recherchiert.
  • Am eigenen Arbeitsplatz bzw. im eigenen Bereich wurden Informationen gesammelt, um die abstrakten Darstellungen mit konkreten Inhalten zu füllen.
  • Die Teilnehmer waren hoch engagiert.

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Transferhinweise:
Der Ansatz ist für alle Firmen geeignet, die Ausbildung in Eigenregie betreiben. Er kann aber auch in überbetrieblichen Ausbildungszentren zum Einsatz kommen.

Referenzbetriebe:
BALUFF Neuhausen
KSG Leiterplatten GmbH Gornsdorf
GEWES Stadtilm

Bezugsquellen:
Download: Das Azubi-Projekt der Fa. BALLUFF    (1,65 MB)

Download: Themenkatalog für die Projektarbeit   (30  KB)

Schlagwörter:
Gesundheit, Gesundheitskompetenz, Auszubildende

Autor:
Josef Reindl - reindl@iso-institut.de

 
 
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letzte Aktualisierung: 24.01.2013 |
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