Profilabgleich für betriebl. Eingliederungsmanagement

Um was geht es?

Der Profilabgleich IMBA – Integration von Menschen mit Behinderungen in der Arbeitswelt – ist ein Instrument zum Profilabgleich zwischen Arbeitsplatzanforderungen und menschlichen Fähigkeiten auf Basis einheitlicher Merkmale. Es wird bei Menschen mit Leistungseinschränkungen und Behinderungen, d. h. insbesondere (aber nicht nur) bei älteren Arbeitskräften, eingesetzt.
IMBA ermöglicht den Einsatz des betreffenden Mitarbeiters bzw. der betreffenden Mitarbeiterin auf einem Arbeitsplatz, der den jeweiligen Fähigkeiten entspricht. Gleichzeitig kann eine Aktivierung oder Weiterentwicklung dieser Fähigkeiten eingeleitet werden. Das Selbstvertrauen des Beschäftigten in die eigene Arbeitsfähigkeit nimmt zu. Der Einsatz von IMBA bedeutet die Abkehr von einer Ausrichtung an persönlichen Schwächen.
IMBA wird in Verfahren zum betrieblichen Eingliederungsmanagement, aber auch bei Maßnahmen zur Prävention und Rehabilitation, angewandt. Prinzipien sind höchstmögliche Transparenz sowie das Einverständnis aller Beteiligten: Beschäftigte, Vorgesetzte, Betriebsrat, Personalmanagement, Betriebsarzt, Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Arbeitsmedizin, gegebenenfalls Schwerbehindertenvertretung. Die Vertraulichkeit der erhobenen Personaldaten wird gewahrt.

Betriebliches Eingliederungsmanagement
BEM-profilabgleich
Quelle:© IQPR 2004

Welchen Nutzen hat der Betrieb?

Anstelle personenbedingter Kündigung wegen Verlust der Arbeitsfähigkeit oder vorzeitigem Übergang in die Rente tritt der Verbleib im Betrieb als Leistungsträger – teilweise am gleichen Arbeitsplatz, teilweise an einem anderen Arbeitsplatz – zu gleichen oder geänderten Bedingungen. Der Betrieb muss keine neue Arbeitskraft als Ersatz einstellen. Der für Kündigung, Neueinstellung u. a. erforderliche hohe Arbeits-, Zeit- und Finanzaufwand im Personalmanagement wird eingespart. Kostenintensive Fehlzeiten – insbesondere mit langer Dauer wegen chronischer Erkrankungen – werden gesenkt.
Durch derartige betriebliche Aktivitäten erhöht sich die gesamtbetriebliche Arbeitsfähigkeit und Arbeitszufriedenheit. Das Betriebsklima verbessert sich. Arbeitsproduktivität und Wettbewerbsfähigkeit nehmen zu.
Mit dem zu erwartenden Auslaufen der Altersteilzeit ab 2009 sollten sich Betriebe grundsätzlich auf „Arbeiten bis 65 bzw. 67“ einstellen, insbesondere beim Vorhandensein hoher Anteile Älterer im Personalbestand insgesamt, in Bereichen (z. B. Fertigung, Vertrieb) oder Berufsgruppen (z. B. Facharbeiter, Ingenieure). Das Erfahrungswissen bleibt dem Betrieb erhalten. Es entstehen keine personellen Lücken. Prozesssicherheit und Zuverlässigkeit im Auftragsablauf werden gewahrt.

Der betriebliche Nutzen wird umso höher sein, je eher ein Betrieb damit beginnt,

  • von sich aus viele Arbeitsplätze so umzugestalten, dass sie für eine Vielzahl Älterer mit Leistungseinschränkungen oder Behinderungen geeignet sind. Häufig reichen kleinere ergonomische oder organisatorische Verbesserungen oder „Wissensauffrischungen“ dazu aus. Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus den durchgeführten Profilabgleichen können dazu herangezogen werden.
  • IMBA vorausschauend, z. B. bereits bei Beschäftigten in mittleren Jahren, einzusetzen, um der Entstehung chronischer Erkrankungen gezielt entgegenzuwirken, z. B. über Anforderungs- und Belastungswechsel.

Die Auflagen nach dem Sozialgesetzbuch SGB IX „Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen“ und dem „Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen“ werden erfüllt.
Es entstehen Datengrundlagen, um gegebenenfalls Fördermittel für Leistungen oder Hilfen bei den entsprechenden Stellen (Integrationsämter, Rehabilitationsträger, Krankenkassen) beantragen zu können.

Wie wird vorgegangen?

IMBA-Profilabgleich von Anforderungen und Fähigkeiten
profilabgleich

Quelle:© IQPR 2004

Die betriebliche Umsetzung erfolgt in drei Schritten:

(1) Fähigkeitsprofil
Das Fähigkeitsprofil beinhaltet neun Hauptkomplexe, u. a. Körperhaltung, Informationsverarbeitung, Schlüsselqualifikationen. Insgesamt handelt es sich um 70 Einzelmerkmale. Die Ergebnisse werden in einer fünfstufigen Skala abgebildet. Es ergibt sich ein Profil mit dem Leistungsvermögen des Beschäftigten.

(2) Anforderungsprofil
Die Anforderungsprofile der Arbeitsplätze werden nach denselben Merkmalen wie im Fähigkeitsprofil erfasst. Dazu finden Arbeitsplatzbegehungen statt.

(3) Vergleich von Fähigkeits- und Anforderungsprofil
Beide Profile können übereinandergelegt werden, so dass abgebildet wird,

  • wo Übereinstimmungen zum Anforderungsprofil des vorhandenen Arbeitsplatzes vorliegen.
  • wo nur geringfügige Abweichungen bestehen, die über ergonomische Verbesserungen oder Qualifizierungen ausgeglichen werden können.
  • wo Abweichungen vorhanden sind, die Maßnahmen zur gesundheitlichen Rehabilitation erforderlich machen, um das persönliche Fähigkeitsprofil zu verbessern und anschließend neu zu erstellen.
  • wo die Unterschiede so schwerwiegend sind, dass Um- und Versetzungen an andere Arbeitsplätze notwendig sind. Geeignete Arbeitsplätze lassen sich mit Hilfe der übrigen Anforderungsprofile im gesamten Betrieb finden. Beschäftigte mit Behinderungen und Leistungseinschränkungen finden so neue Arbeitsaufgaben und Einsatzgebiete.

Welcher Aufwand ist erforderlich?

Eine kurzfristige Aufwandsbetrachtung ist nur bedingt aussagefähig, da es hier um ein anderes, d. h. erweitertes Verständnis von Wirtschaftlichkeit geht. Die Aufwände werden den eingesparten Kosten gegenübergestellt. Hierzu liegen erste Erfahrungen bereits vor, die sich auf einen Zeitraum von etwa drei Jahren erstrecken. Die eigentlichen wirtschaftlichen Effekte kommen aber erst dann zum Tragen, wenn Mittel- und Langfristwirkungen ermittelbar sind.

IMBA-Bilanz der Fordwerke AG Köln 2001 bis 2003
Leistungsgewandelte und behinderte MitarbeiterInnen 503
zu 100 Prozent in die Produktion integriert 263
in 50 Prozent-Arbeitsplätze integriert 60
integriert durch Rückführung von Tätigkeiten aus dem Industriepartk 29
integriert in Reinigungstätigkeiten (ehemals Fremdfirmen) 77
integriert in Arbeitsplätze außerhalb der Produktion 43
zur Zeit nicht einsetzbar (z. B. aufgrund von Dauererkrankungen) 31
Betriebswirtschaftlicher Nutzen
jährliche Einsparung 

  • von 6 Millionen Euro durch Senkung von Fehlzeiten und langandauernder Arbeitsunfähigkeit
  • von 9,44 Millionen $ für Neueinstellungen
Quelle: © IQPR; FORD 2003 – BMGS-Vorhaben FILM

Wenn Sie an ausführlicheren Informationen über die betriebliche Erprobung bei FORD – Projekt FILM (Förderung der Integration Leistungsgewandelter Mitarbeiter) interessiert sind, können Sie hier einen Kurzbericht als Download abrufen.

Was ist besonders zu beachten?

IMBA wurde von einem interdisziplinären Team (Arbeitwissenschaft, Psychologie, Medizin) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS) entwickelt und erprobt.
IMBA wird gegenwärtig auch von Rehabilitationsanbietern (Krankenkassen, Integrationsämtern, Arbeitsgemeinschaft der Berufsförderungswerke mit bundesweit 28 Berufsförderungswerken) eingesetzt.
IMBA ist auch in englischer Sprache erhältlich. IMBA-Lizenzen, -Sofware und -Einführungsseminare werden über die drei Lizenzanbieter: IQPR – Institut für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation GmbH an der Deutschen Sporthochschule Köln, MundA GmbH Essen, Miro GmbH Lich, angeboten.

Transferhinweise: IMBA ist branchen-, betriebsgrößen- und behinderungsunabhängig.
Referenzbetriebe: FORD Werke GmbH Köln; Ford Werke GmbH Saarlouis
Bezugsquellen: Homepage zum Werkzeug: www.imba.de; Homepages der drei Anbieter: www.iqpr.de; www.munda.de; www.miro-gmbH.de
Schlagwörter: Arbeitsfähigkeit, Personaleinsatz, Umsetzung, Versetzung
Autorin: Annegret Köchling – demowerkzeuge@gfah-do.de
Zusätzliche Literatur: Adenauer, S.: Die (Re)integration leistungsgewandelter Mitarbeiter, in: Angewandte Arbeitswissenschaft, Nr. 181, 09/2004, S. 1 ff
Institut für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation (GmbH) an der Deutschen Sporthochschule Köln: PRVE Prävention und Rehabilitation zur Verhinderung von Erwerbsminderung, Forschungsbericht F 324, Köln Juli 2004
Institut für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation (GmbH) an der Deutschen Sporthochschule Köln: PRVE Prävention und Rehabilitation zur Verhinderung von Erwerbsminderung: SBG IX Forschungsbericht 321, Köln Juli 2004
beide Berichte als Downloads beziehbar über die Homepage des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung (BMAS) – www.bmas.de -> Publikationen -> PRVE als Suchwort eingeben.
Schian, H.M., Kaiser, H.: Profilvergleichssysteme und leistungsdiagnostische, EDV-gestützte Technologie – ihr Einsatz zur Verbesserung der Beantwortung sozialmedizinischer Fragestellungen und Begutachtungen sowie der Planung von Rehabilitationsmaßnahmen, Hinweise auf Bewertungsinstrumente zur Qualitätssicherung in der Rehabilitation
Kaiser, H. u.a.: Betriebliches Gesundheitsmanagement

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 16. August, 2013