Personaleinsatz-Matrix

Um was geht es?

Die Personaleinsatz-Matrix ist ein Instrument, um die betriebliche Arbeitseinsatzpraxis umzugestalten und neu zu orientieren. Sie liefert Informationen zum realen Arbeitseinsatz der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, zum Belastungsgehalt der jeweiligen Arbeitsplätze, zum Qualifikationsstand und zum Alter der Beschäftigten.
Damit hat der Betrieb ein Instrumentarium an der Hand, Risikoarbeitsplätze zu identifizieren, um im Falle von Belastungshäufungen über Schulungsmaßnahmen und Arbeitseinsatzstrategien Abhilfe zu schaffen. Die Personaleinsatzmatrix zeigt z. B., ob sich ältere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an besonders belastenden Arbeitsplätzen befinden. Sie gibt gleichermaßen Hinweise, in welche Richtung qualifiziert werden müsste, damit ältere Beschäftigte entlastende Tätigkeiten ausüben können.

Welchen Nutzen hat der Betrieb?

Es ist bekannt, dass sich im Falle langjähriger Fehlbeanspruchungen die Erkrankungen im höheren Erwerbsalter zu chronischen Erkrankungen entwickeln. Die Personaleinsatzmatrix kann dazu beitragen, solchen Chronifizierungsprozessen vorzubeugen. Sie kann das reale Erwerbsleben verlängern helfen.
Darüber hinaus hat der Betrieb systematische Informationen über seine Produktion zur Hand, die das Personalmanagement für unterschiedliche Zwecke verwenden kann.

Wie wird vorgegangen?

Es geht zunächst darum, den Betriebsbereich zu identifizieren, in dem man das neue Instrument zum Einsatz bringen will. Falls sich die Verantwortlichen in dieser Frage unsicher sind, empfiehlt sich eine Analyse des Krankenstandes. Fehlzeitenhäufigkeit und Fehlzeitendauer werden nach bestimmten Alterskohorten und Betriebsbereichen ausgewertet und verglichen. Dadurch erhalten die Verantwortlichen wichtige Hinweise auf betriebliche Gefährdungsbereiche.
Die Personaleinsatz-Matrix, die daraufhin in alternskritischen Bereichen zum Einsatz kommt, besticht durch ihre Einfachheit. Sie listet zum einen in der Zeile sämtliche Arbeitsplätze in der Abteilung bzw. in dem Bereich auf und versieht sie mit Schweregraden. Die körperliche Schwere der Arbeit wird vom Vorgesetzten und dem Betriebsrat in drei Stufen bewertetet: 1 = leicht, 2 = normal, 3 = schwer. Sie führt zum anderen in der Spalte sämtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Bereiches mit ihrem jeweiligen Geburtsjahr auf. In diese Grundstruktur wird dann der wirkliche Arbeitseinsatz der Beschäftigten eingetragen und zwar differenziert nach Stammarbeitsplatz (x) und Mehrfachqualifikation (o). Sie gibt Auskunft über ihren Qualifikationsstand und ihre Belastung.
Der Stammarbeitsplatz des 53jährigen Beschäftigten Schmitz zum Beispiel ist „Aufhängung schleifen“, eine schwere Arbeitstätigkeit, von der er hin und wieder ausweichen kann, indem er zum „manuellen Anstreichen“, einer normal schweren Tätigkeit geht.
Das Ausweichspektrum des Beschäftigten Müller ist bedeutend größer, doch seine „Ersatzarbeitsplätze“ sind nicht minder schwer wie sein Stammarbeitsplatz. Summa summarum lässt sich die Tendenz erkennen, dass die älteren Mitarbeiter(innen) die schwereren Arbeitsplätze besetzen.

Personaleinsatzmatrix – Beispiel
Personaleinsatzmatrix

Quelle:© Vetter 2003 – BMBF-Vorhaben Demografie-Initiative I

Download Personaleinsatzmatrix zum Anpassen an eigene betriebliche Zwecke

Auf der Informationsgrundlage der Personaleinsatz-Matrix lässt sich ohne großen bürokratischen Aufwand ein Konzept zur Personalentwicklung und zum gesundheitsschonenden Einsatz der älteren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen entwickeln. In der Matrix ist dem dadurch Rechnung getragen worden, dass für bestimmte Beschäftigte ein Schulungsbedarf (S) für leichtere Arbeitsplätze eingeräumt worden ist und dass ihnen eine Qualifizierung für weniger belastende Tätigkeiten angeboten wurde. So ist z. B. den Mitarbeiter(innen) Müller, Meyer und Becker – alle um die 50 Jahre alt und an ´harten´ Stammarbeitsplätzen im Einsatz – eine Qualifizierung in Kontrolltätigkeiten, die gemeinhin als körperlich leichte Arbeiten im Betrieb gelten, in Aussicht gestellt worden.

Welcher Aufwand ist erforderlich?

Die Handhabung der Personaleinsatz-Matrix erfordert einen geringen Aufwand. Vermutlich haben zahlreiche Firmen ähnliche Instrumentarien wie etwa Gefährdungsbeurteilungen und Qualifikationsmatrixen in Gebrauch. Die Besonderheit der Personaleinsatz-Matrix liegt darin, dass sie Gefährdungs- und Qualifikationsanalysen verbindet und zusätzlich die Dimension Alter aufnimmt. Auch bei der Gefährdungsbeurteilung geht man einen pragmatischen Weg: Vorgesetzte und Betriebsrat verständigen sich über die Schwere der Arbeit.
Man kann die Personaleinsatz-Matrix jederzeit komplexer machen, indem man etwa bei der Belastungsanalyse die psychischen Dimensionen miterfasst oder indem man den Qualifikationsbegriff ausdifferenziert. Doch für die Zwecke eines alternssensiblen Umsteuerns im Arbeitseinsatz reicht das geschilderte Verfahren aus. Eine Weiterentwicklung könnte auch darin bestehen Arbeitplatz, Arbeitsmittel, Arbeitsorganisation und Arbeitszeit so umzugestalten, für Ältere Erleichterungen zu schaffen, damit diese ihre Potentiale besser einbringen können.

Wie Ältere ihre Potentiale an Wissen, Erfahrungen und Leistungen am besten ausschöpfen können

Aufgabeninhalt und -umfang:

  • Möglichkeiten, erfahrungsbasierte Kompetenzen einzubringen
  • Lernchancen
  • Spielräume für individuelle Arbeitsweisen

Kooperationsformen

  • Einbringen von Organisationswissen
  • Möglichkeiten zu gegenseitiger Unterstützung
  • Beteiligungsmöglichkeiten bei Innovationen sichern

Leistungspolitik

  • Arbeitsintensität begrenzen
  • interne Konkurrenz beheben
  • ausreichende Personalbemessung

Arbeitszeit

  • Vermeidung von Schichtarbeit
  • Teilzeitangebote
  • Vermeidung überlanger Arbeitszeiten

Ergonomie

  • gesundheitsförderliche Arbeitsumgebung
  • körperliche Belastung reduzieren
  • einseitige Belastungen vermeiden

Quelle: © Krenn 2001

Was ist besonders zu beachten?

Wenn es um die Bewertung von Arbeit und um die Veränderung einer eingespielten Arbeitseinsatzpraxis geht ist es ratsam, den Betriebsrat – sofern vorhanden – von vornherein mit ins Boot zu nehmen.

Transferhinweise: Geeignet für kleine und mittlere Betriebe (50 bis 250 Beschäftigte) aller Branchen
Referenzbetriebe: Vetter Fördertechnik GmbH
Bezugsquellen: Bertelsmann Stiftung; Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (Hrsg.): Demographiebewusstes Personalmanagement. Strategien und Beispiele für die betriebliche Praxis, Gütersloh 2008, S. 55 ff – Preis 22,00 € Bestellung unter www.bertelsmann-stiftung.de/verlag
Reindl, J.; Feller, C.; Morschhäuser, M.; Huber, A.: Für immer jung? Wie Unternehmen des Maschinenbaus dem demographischen Wandel begegnen. Frankfurt 2004, S.77ff. Preis 39,90 Euro (für VDMA-Mitgliedsfirmen Preisnachlass von 20%) VDMA-Verlag. Bezugsadresse: www.vdma-shop.de
Schlagwörter: Arbeitsfähigkeit, Qualifikation, Gesundheit, Gesundheitsschutz, Training, Trainings, Kompetenzentwicklung, Umsetzung, Versetzung
Autor: Josef Reindl – reindl@iso-institut.de

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 16. August, 2013