Familienfreundlicher Betrieb

Der Rückgang junger Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt führt zur Einstellung und Bindung anderer Personengruppen wie Familienangehörige mit engen familiären Verpflichtungen. Diese Personengruppe ist darauf angewiesen, dass der Arbeitgeber ihnen eine angemessene und planbare Freizeit für Familienaktivitäten, also familienfreundliche Bedingungen ermöglicht:

  • junge Mütter, die direkt nach dem Ablaufen des Mutterschutzes wieder arbeiten wollen,
  • junge Mütter oder Väter, die nach Ablauf der Elternzeit wieder berufstätig sein wollen,
  • Mütter – auch in mittleren Jahren -, die nach einer längeren Familienpause wieder erwerbstätig sein wollen,
  • Familienangehörige in jungen, mittleren oder älteren Jahren, die für die Pflege ihrer Angehörigen verantwortlich sind und ihren Beruf beibehalten wollen.

Betriebliche Programme sollen ermöglichen, berufliche und familiäre Aktivitäten sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Sie umfassen einen sehr breiten Katalog möglicher Maßnahmen, gegliedert nach acht Handlungsfeldern. Die Nutzung dieser Angebote soll dabei von Vorgesetzten, ArbeitskollegInnen, Personalmanagement und Betriebsrat aktiv unterstützt werden. Eine familienbewusste Personalpolitik soll alle betrieblichen Ebenen und Bereiche durchdringen.
Über das Audit berufundfamilie gGmbH werden nicht nur bereits umgesetzte Maßnahmen zur Schaffung von Familienbewusstsein auf Stärken und Schwächen überprüft, sondern auch das betriebsindividuelle Entwicklungspotenzial aufgezeigt sowie gezielte Hilfen zur Realisierung zukünftiger Schritte gegeben.
In einem Forschungsprojekt der berufundfamilie gGmbH, einer Initiative der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, wurden betriebswirtschaftliche Daten und Informationen aus den auditierten Unternehmen erfasst, um eine mittel- bis langfristige Kosten-Nutzen-Gegenüberstellung familienbewusster Maßnahmen zu erhalten.
Nachhaltigkeit entsteht über die Kontinuität von Re-Auditierungsprozessen, jährlicher Berichterstattung sowie über Chancen zum jährlichen betrieblichen Erfahrungsaustausch.

Welchen Nutzen hat der Betrieb?

Von 131 zertifizierten Betrieben wurden bei Befragungen insgesamt neun Ziele angegeben – mit Unterschieden in der Rangfolge bei zertifizierten Betrieben und Institutionen, wie die Abbildung zeigt. Betriebe betrachten vor allem qualitative Ziele wie „Erhöhung der Mitarbeiterzufriedenheit“ und „Stärkung des familienfreundlichen Images“ als wesentlich neben quantitativen Zielen wie „Verkürzung der Elternzeit“, „Reduktion des Krankenstandes“ und „Senkung der „Fluktuation“. Für Institutionen ist auch die „Erhöhung der Produktivität“ bedeutsam.

Wie wird vorgegangen?

Die Auditierungen werden bundesweit von zahlreichen entsprechend qualifizierten und autorisierten AuditorInnen durchgeführt, die mit dem zu auditierenden Betrieb Verträge abschließen. Die AuditorInnen dokumentieren gegenüber der berufundfamilie gGmbH die Durchführung. Sie schlagen den Betrieb zur Zertifizierung vor. Ein neutraler und unabhängiger Audit-Rat überwacht die Einhaltung der Richtlinien und entscheidet über die Zertifizierung. Die Audit-Aktivitäten werden im Servicebüro der berufundfamilie gGmbH koordiniert. Sie unterliegen einer kontinuierlichen Überprüfung durch begleitende Forschungsprojekte.

Welcher Aufwand ist erforderlich?

Es muss unterschieden werden zwischen der Durchführung der Autiditierung und der Umsetzung der vereinbarten Ziele und Maßnahmen.

Rangfolge der Ziele_neu

Was ist besonders zu beachten?

Viele Betriebe mit hohen Frauenanteilen führen aus ihrem eigenen Selbstverständnis heraus und in Eigenregie Maßnahmen durch, die als familienfreundlich gelten wie z. B. flexible Teilzeitarbeit und Telearbeit oder Befreiung von Schichtarbeit. Familienbewusstsein als Konzept hat also eine hohe betriebliche Verbreitung. Mit dem Audit werden darüber hinaus Passgenauigkeit der Maßnahmen, systematisches Vorgehen, Erfolgskontrolle, Nachhaltigkeit sowie Abgleich zwischen Betriebs- und Beschäftigteninteressen gewährleistet.

Transferhinweise: Zertifiziert wurden und werden Handwerks-, Industrie- und Dienstleistungsbetriebe aller Größen und Branchen. Für KMU und Mittelstand wurden besondere Handlungshilfen vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) herausgegeben.
Referenzbetriebe: Homepage www.beruf-und-familie.de
Bezugsquellen: Downloads von Hinweisen, Praxisleitfäden und Studien: www.beruf-und-familie.de
Kostenfreies Messen des Familienbewusstseins des eigenen Betriebes einschließlich Vergleiche mit anderen Betrieben mit dem „berufundfamilie-Index“ auf der Homepage (www.berufundfamilie-index.de)
Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung: www.ffp-muenster.de
Schlagwörter: Familienfreundlichkeit, Arbeitszeit, flexible Arbeitszeit, Arbeitszeitgestaltung
Autorin: Annegret Köchling – demowerkzeuge@gfah.de

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 16. August, 2013