Wertschätzung im Betrieb

Um was geht es?

Es geht um soziale Beziehungen im Betrieb, die positive oder negative Auswirkungen auf die gesamte Innovativität und Wirtschaftlichkeit haben.

Gegenseitige Wertschätzung im Betrieb

Wertschaetzung

Wertschätzung wird im Betrieb oft verwechselt mit „Anti-Diskriminierung“, „Chancengleichheit“ oder „Gleichstellung“, d. h. mit allen den Begriffen, die durch die kontroversen sozialpolitischen Diskussionen um die Einführung des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetztes (AGG) verwendet werden. Dieses Begriffs-Wirrwarr ist entflechtet worden. Um soziale Beziehungen darstellen zu können, bekam jeder Begriff ein eindeutiges Verständnis (siehe Abb.). Verzicht auf Diskriminierung betrifft die persönliche Ansprache, den Führungsstil und die Kommunikation. Zu unterscheiden davon sind personalpolitische Regelungen

  • zur Förderung von Personengruppen mit geringem sozialem Status: z. B. Weiterbildungschancen für Zeitarbeiter oder Angelernte,
  • zur Gleichstellung bei attraktiven betrieblichen Angeboten: z. B. Personalauswahl für Höhergruppierung oder Versetzung auf Führungspositionen.

Bei ´gegenseitiger Wertschätzung´ geht es um viel mehr: die individuellen persönlichen Stärken stehen im Brennpunkt der Betrachtung – unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer Personengruppe. Für stabile soziale Beziehungen in einem Betrieb ist es wichtig, dass ´Aussenseiter´ geschätzt und ihre Potenziale sinnvoll genutzt werden.
In der betrieblichen Praxis können auch ganz andere soziale Gruppierungen auftreten wie ´Akademiker´ und ´Nicht-Akademiker´, ´Vorgesetzte´ und ´Nicht-Vorgesetzte´, ´Techniker´ und ´Kaufleute´. Etwaige Gruppenkonflikte sind prägend für die gesamten Sozialbeziehungen. Diese können anhand der oben skizzierten Merkmale beschrieben und offengelegt werden – unter der Zielsetzung der Umwandlung in eine Wertschätzungs-Kultur.

Welchen Nutzen hat der Betrieb?

Die Schaffung einer Wertschätzungs-Kultur wirkt entschärfend auf offene oder verdeckte soziale Reibungen bzw. Konflikte, setzt Effizienzreserven in den Arbeitsprozessen und bisher nicht genutzte Innovationspotenziale frei.

Wie wird vorgegangen?

Es wird eine betriebliche Bestandsaufnahme durchgeführt, basierend auf Gruppendiskussionen mit Beschäftigten zu Themenschwerpunkten wie „Stand der Wertschätzung im Betrieb“ oder „Mögliche betriebliche Nutzeffekte einer Wertschätzungs-Kultur“. Dazu liegen Checklisten vor. Anschließend werden in freien Diskussionen komplexe Ursache-Wirkungsbeziehungen entschlüsselt und Kataloge mit Maßnahmen-Empfehlungen entwickelt. Die Verbesserungsvorschläge sind sehr breit angelegt: Unternehmenskommunikation, Wissensmanagement, Personalmanagement und Führungsstil. Eine notwendige Maßnahmen-Gewichtung erfolgt im günstigsten Fall durch die Beschäftigten selbst, da diese sich dann in der nachfolgenden Umsetzungsphase selbst stark engagieren. Zur Erfolgskontrolle in zweijährigen Abständen wird die Bestandsaufnahme in vereinfachter Form wiederholt.

Welcher Aufwand ist erforderlich?

Der Aufwand ist ähnlich wie bei kombinierten Unternehmens-, Organisations- und Personalentwicklungen und stark von der Betriebsgröße abhängig. Die Wirtschaftlichkeitseffekte haben eine qualitative Ausrichtung.

Was ist besonders zu beachten?

Unverzichtbar ist eine breite Mitarbeiter-Einbindung. Ausschließlich auf Leitungs- oder Projektgruppenebene findet kein erfolgversprechender Durchbruch statt.
Zur Koordinierung und Moderation eignen sich bei größeren Betrieben in der Personalentwicklung qualifizierte Mitarbeiter aus dem Personalmanagement. Für kleinere Betriebe kann ein externer Coach mit guten betrieblichen Kenntnissen tätig werden. Eine Anonymisierung der Auswertung der Gruppendiskussionen ist auf jeden Fall sicherzustellen.

Transferhinweise: Die Vorgehensweise ist für jeden Betrieb geeignet – unabhängig von Größe und Branche.
Referenzbetriebe: Homepage des DIVINKU-Verbundes: www.diversity-innovation.de
Bezugsquellen: Siehe dazu die Homepage: www.diversity-innovation.de
Schlagwörter: Unternehmenskultur, Generationen, Bindung, Wertschätzung
Autorin: Annegret Köchling – koechling@demowerkzeuge.de

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 16. August, 2013